Weshalb wir auf das Loben in der Kita weitestgehend verzichten

Ohne Lob durch den Kita Alltag – warum?

Manche Eltern mögen es, ihre Kinder zu ermutigen, ihnen Komplimente zu machen, ihnen Versprechen zu geben, wenn sie dieses oder jenes tun und sie zu loben. Sehr viele Erwachsene gehen davon aus, dass vor allem das Loben einem Kind gut tut. Aus unserer Sicht und aufgrund unserer Erfahrungen im Alltag mit Kindern betrachten wir das als Irrtum!

Loben kann schlicht und ergreifend abhängig machen und die Bedingungslosigkeit unserer Liebe für andere Menschen einschränken. Deshalb sollten wir lieber ermutigen, wertschätzen und unser gegenüber wahrnehmen.

Normalerweise gehen die Menschen davon aus, dass häufiges Loben für gute Leistungen oder für erfüllte Erwartungen, das Selbstvertrauen eines Menschen steigert und motiviert.

Erfolg und gute Leistungen oder ausgezeichnete Zensuren, sind jedoch nicht das Wichtigste. Wirklich bedeutend ist es stattdessen, sich selbst als besonders zu fühlen, so wie man ist, so wie man etwas geschafft hat. Wenn Ihr Euren Kindern beispielsweise ein Lob für eine bestimmte Handlung aussprecht, besteht der entscheidende Unterschied darin, ob Euer Kind nun das Gefühl bekommt, dass Ihr es liebt, für das was es tut, oder dafür wie es ist.

Zurecht wird jetzt die eine oder der andere von Euch sagen: “Moment, ich liebe mein Kind natürlich für das wie es ist.„ Das möchten wir auch gar nicht anzweifeln.

Ihr könnt ja gerne mal den Versuch wagen, Euer eigenes Verhalten Eurem Kind gegenüber zu beobachten. Vielleicht stellt Ihr dann auch fest, dass diese selbstverständliche bedingungslose Liebe, für Eure Kinder allerdings nicht immer eindeutig zu identifizieren ist. Auch wenn Ihr als Eltern von dieser Liebe wisst, werden Eure Kinder mit dieser Tatsache nicht geboren und brauchen daher immer wieder eine Art Rückversicherung.

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht: „Wie kann ich meinem Kind denn diese Gewissheit geben?“

Dafür braucht es drei wichtige Komponenten. Schenkt ihnen Eure liebevolle Zuwendung, berührt sie zärtlich und schenkt ihnen achtsame Worte.

Viele Erwachsene neigen stärker dazu, sich einem Kind besonders dann zuzuwenden, wenn beispielsweise ein neuer Entwicklungsschritt passierte und dann mit Worten wie: „Super, ganz toll, Du hast Pipi gemacht“, „ja ganz prima, fein gemacht, Du bist Laufrad gefahren.“ oder wenn außergewöhnliche Leistungen erbracht wurden: „Ganz stark, heute hast Du die anderen stehen lassen, Du warst 3 Sekunden schneller als beim letzten Sprint, da gibt’s heute ‘ne Sportlerlimo“ „In Mathe eine zwei? Wahnsinn, absolute Klasse, da erhöhen wir doch gleich mal dein Taschengeld für diesen Monat.“ Oder wenn sich Kinder unserer gesellschaftlichen Erwartungen entsprechend verhalten: „Ja prima, sehr schön gewunken.“ „Sag mal danke, super gemacht, ach bist Du süß!“ „Du bist so lieb, eine ganz brave warst Du heute.“

Gerade bei solchen Äußerungen, fühlen sich Kinder besonders gesehen und wahrgenommen. Sie bekommen eine hervorgehobene, besondere Anerkennung. Jedoch geht jedem Lob eine Handlung voraus und das kann im Laufe der Zeit dazu führen, dass Eure Kinder das Gefühl entwickeln, dass die elterliche Liebe nicht wirklich bedingungslos ist, sondern vielmehr der Eindruck entsteht, dass sie immer erst etwas besonders gut machen müssen oder hervorstechen müssen, um deutlich spürbare und wahrnehmbare Zuwendung von Euch zu bekommen. Dies führt dazu, dass im Unterbewusstsein eine Verknüpfung entsteht. „Wenn ich mich also so und so verhalte, wenn ich das sage oder mache, so wie es sich die Mama oder der Papa scheinbar wünschen, dann bekomme ich uneingeschränkte Aufmerksamkeit und positive Zuneigung.

Eure Kinder lernen dadurch, dass sie sich Zuneigung erst verdienen müssen und sie daher immer an eine Bedingung geknüpft ist. Noch mehr verstärkt wird dieser Lerneffekt, wenn die Zuneigung und die Aufmerksamkeit durch unerwünschtes Verhalten oder unerfüllte Ansprüche bewusst entzogen wurde. Macht ein Kind also beispielsweise in die Hose, was vorher häufiger am Stück mit dem Gang zur Toilette klappte und hochgelobt wurde, ist die elterliche Reaktion in der Regel nicht positiv oder verständnisvoll. Und schon gar nicht liebevoll. Was der Grund dafür war, weshalb es heute einmal nicht geklappt hat, wird selten hinterfragt. Ein Kind stellt ganz schnell eine Verbindung her.

Nämlich: „Durch erwünschtes Verhalten bekomme ich Lob, Freude, Aufmerksamkeit, Zuneigung, Belohnungen, Versprechungen. Durch unerwünschtes Verhalten werde ich bestraft, ich werde ignoriert, ich werde abgelehnt und werde getadelt.

Eine Beispielsituation bei der Bewertungen außen vor bleiben

Statt den Toilettengang als etwas gelungenes zu bewerten und das Geschäft welches in die Hose ging, als etwas schlechtes, wäre es Eurem Kind gegenüber wertschätzender, wenn Ihr beides annehmt, ohne eine Bewertung dabei mit einfließen zu lassen.

Ihr könntet bei der Begleitung des Toilettengangs auf die Signale oder Äußerungen Eures Kindes eingehen. In der Krippe äußerte ein Kind z.B. als es auf der Toilette saß: “Ich Kakka machen.” Dabei färbt sich sein Gesicht vor lauter Anstrengung rötlich und sein Blick wirkt angestrengt. Statt einem “ja prima” könntet ihr z.B. sagen: “Du scheinst gerade zu drücken, kann das sein? Dein Kopf färbt sich ganz rot und Du guckst recht angestrengt.“ Ihr begleitet dadurch verbal, was Ihr in diesem Moment wahrnehmt, jedoch ohne eine Bewertung einfließen zu lassen.

Jetzt stellt Euch noch eine andere Situation vor – Euer Kind kommt im gespreizten Gang auf Euch zu und äußert: ”Pipi Hose Papa.” “Nass”
Wenn das Geschäft wie im oben genannten Beispiel dann in der Hose, statt in der Toilette verrichtet wird, wäre es wunderbar, wenn Ihr Eure Gesichtsmuskeln unter Kontrolle bringt 🙂 Damit meinen wir z.B. kein Hochziehen Eurer Augenbrauen, das Zusammenpressen Eurer Lippen oder jegliche verbale Kommentare die in die Richtung “Na das ist aber nicht so schön” gehen.
Denn Fakt ist, das Euer Kind Euch damit nichts Böses möchte. Es will Euch damit nicht ärgern. Es ist schlichtweg ein Prozess, der Zeit benötigt.
Eine zuwendende Haltung nehmt Ihr in dem Moment ein, wenn Ihr Euch auf Augenhöhe Eures Kindes begebt und sagt: “Danke, dass Du zu mir gekommen bist und mir das gesagt hast. Was hältst Du davon, wenn wir zusammen ins Bad gehen. Ich kann Dir Deine nasse Kleidung ausziehen und dann schauen wir beide mal in Deinem Schrank, was Du frisches anziehen möchtest, hm?”

Leider ist es tatsächlich möglich das Verhalten eines Kindes zu lenken und zu beeinflussen. Kinder begreifen sehr schnell. Experten nennen ein solches Verhalten auch „Lernen durch Verstärkung“ und es ist eine Form der Konditionierung. Man könnte es auch Manipulation nennen.

Ein Lob zu bekommen, fühlt sich sicherlich mal gut an, Glückshormone wie Dopamin und Oxytocin werden ausgeschüttet und sorgen für Entspannung, Glücksgefühle und Lebensfreude. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sie auch süchtig machen und somit sollte man das Lob wohlwollend dosieren und ehrlich statt manipulierend loben. Wie wertvoll ist ein Lob noch, wenn jemand davon 20-30 Stück am Tag bekommt? Wieviel Freude würde jemand dabei noch empfinden?

Und jetzt überlegt mal, wie viele Eurer Lobe wirklich reine Freude ausdrücken und wie viele Lobe mit der Absicht auf ein bestimmtes Verhalten gelenkt werden. Zählt doch mal wirklich pro Tag ganz bewusst wie oft Ihr lobt. Dazu gehören auch bereits Worte wie „super“ „toll“ „prima“ „spitze“ „klasse“ oder ein Applaudieren. Das sind auch kleine Lobe.

Wenn Ihr fertig seid mit dem Zählen, fragt Euch als nächstes, was der Hintergrund dafür gewesen ist. Wolltet Ihr Eure Freude teilen oder ein bestimmtes Verhalten verstärken?

Wenn Ihr Euch von Herzen mit Eurem Kind freut oder Stolz empfindet, dann dürft Ihr das auch zeigen. Ehrlich und authentisch. Echte Freude über neue Entwicklungsschritte und außergewöhnliche Leistungen sind absolut wichtig und berechtigt.

Beitrag von Nadja Simon

Vestibuläre Wahrnehmung

Vitale Kraft – Körper und Leben in Balace – Ein Beitrag zur vestibulären Wahrnehmungsförderung in der Krippe der Aqua Kita

Sich im Gleichgewicht befinden – einer der wichtigsten Ressourcen, die wir haben. Um uns im Raum orientieren zu können, unseren Körper aufrecht zu halten und uns zuverlässig und sicher in den Bedingungen der Schwerkraft bewegen zu können, benötigen wir unsere vestibuläre Wahrnehmung, die für Gleichgewichtssinn und Koordinationsfähigkeit zuständig ist. Bereits die jüngsten Kinder fühlen sich von erhöhten Steinen, Baumstümpfen etc. magisch angezogen und versuchen zu balancieren, ihr Gleichgewicht zu finden und zu halten.

Um einen Beitrag zur motorischen Entwicklung und vestibulären Wahrnehmungsförderung zu leisten, bieten wir in der Krippe in Mögeldorf Balance Steine an. Diese Steine, die natürlichen Flusssteinen und Hügelkuppen nachempfunden sind, basieren auf neuropädagogischen und sensorisch-motorischen Prinzipien. Durch die unterschiedlichen schrägen Kanten, den kleinen Trittflächen und den verschiedenen Höhen ist es möglich, den Schwierigkeitsgrad individuell anzupassen, in dem Abstände verringert oder vergrößert werden. Dieses Spiel bietet eine echte Herausforderung – für alle Altersklassen.

Die Vorteile und positiven Auswirkungen dieser Balance Steine erleben Kinder oft unbewusst. Es werden gleich mehrere Sinne angeregt und gefördert:
vestibuläre Wahrnehmung: Gleichgewicht finden und halten, Koordinationsfähigkeit
– unsere sensorische Integration wird gestärkt: Tiefensensibilität
taktiler Sinn: fühlen und ertasten, wohin die Hand oder der Fuß gesetzt werden muss
propriozeptiver Sinn: Kontrolle und Kraftregulierung um Bewegung anzupassen damit der nächste Schritt gelingt
visueller Sinn: verschiedene Höhen, Tiefen, Farben etc.

Auf den folgenden Bildern ist zu sehen, was unseren Krippenkindern bisher eingefallen ist und wie sie sich mit den Steinen auseinander gesetzt haben:

Was die Bilder nicht vermögen zu zeigen, ist die Entwicklung, die die Kinder bei ihren Versuchen und Fehlversuchen erfahren…

Beitrag von Daisy Rösner

Malentwicklung

Erinnerung

Ich erinnere mich an einen Tag im Kindergarten. Wir durften malen. Es sollte ein Bild eines kürzlichen Erlebnisses in der Natur zeigen. Alle Kinder malten bereits. Ich überlegte noch über welches Ereignis ich etwas malen wollte und bekam langsam inneren Druck, weil die anderen teilweise schon das halbe Blatt bemalt hatten. Ich zwang mich zu einer Entscheidung und wählte den Spaziergang durch eine Wiese mit Apfelbäumen. Mit großer Gründlichkeit begann ich jeden einzelnen Grashalm auf dem unteren Ende meines Blattes zu zeichnen und war über die wachsende „Wiese“ sichtlich begeistert. Die Tatsache dass einige Kinder schon fast fertig waren bremste meinen Eifer nicht. Ich hatte etwa die Hälfte meines Blattes mit feinen und fast parallel verlaufenden Grashalmen verziert als meine Kindergärtnerin (damals nannte man sie noch so) mir den Stift aus der Hand nahm, parallel zum Rand des unteren Blattes einen geraden grünen Strich malte und mir zufrieden den Stift zurück gab. Ich vermute, ich habe sie mit einem entsetzten Gesichtsausdruck angesehen, da sie mir sofort erklärte sie wollte mir nur helfen. Würde ich jeden Grashalm einzeln abbilden wollen, würde mein Bild nie fertig werden.

Malen ist eine Ausdrucksform

Malen ist für Kinder wie sprechen ohne Worte. Sie zeigen mithilfe von Farbe, Papier und einem Bewegungsimpuls ihre Gefühle. Dabei sollte Bewertung (Lob oder Kritik) keine Rolle spielen.

Auch viele Jahre nach dem oben beschriebenen Erlebnis erinnere ich mich an seine Wirkung. Sie hat mein Bild kaputt gemacht. Wie kann sie nur meine Motivation das ganz genau machen zu wollen nicht verstehen. Wieso ist ein ungenaues fertiges Bild mehr wert? Sie schätzt mein Bild nicht. Ihr gefällt meine Art zu malen nicht. Ich gefalle ihr nicht. Meine Art zu malen ist anders. Ich bin anders. Sie mag mich nicht. Ich mache das nicht richtig. Ich bin nicht richtig. Meiner Wut, meiner Fassungslosigkeit, meiner Verzweiflung und der Enttäuschung nicht dazu zu passen konnte ich damals natürlich keinen Ausdruck verleihen noch verstand ich, das es völlig normal ist individuell zu sein.

Wenn ein Kind malt, nimmt es die Realität ein Stück weit auseinander und setzt sie neu zusammen, sozusagen wie in einem Traum. Es handelt sich um eine Art Verdauungsprozess und darf nicht im Kontext von Nutzen stehen oder bewertet werden sagt Diplom-Kunsttherapeutin Kristina Matthiesen.

Warum uns eine natürliche Malentwicklung wichtig ist

Die vorbereitete Umgebung bedeutet für das Malen, dass ein Raum kreiert wird in dem Kreide und Stifte altersgerecht zur Verfügung stehen, dass die Kinder wählen können ob sie auf einem Stuhl sitzend oder auf dem Boden sitzend oder liegend malen wollen. Die Bedürfnisorientierung in unserem Konzept ergänzt das dadurch, dass die Kinder selbst entscheiden ob sie beobachten oder aktiv werden wollen und auch wie lange sie dabei bleiben und ob sie überhaupt dabei sein wollen. Darf das Kind sein Malen selber entwickeln ist in der Regel ein deutlicher Unterschied in der Führung und Handhaltung der Kreide zu erkennen. Manche Kinder verwenden mehr Druck, andere weniger. In der Umsetzung bei uns bedeutet es, dass wir weder die Haltung der Kreide oder des Stiftes korrigieren noch den eingesetzten Druck.

In einer bestimmten Phase der Malentwicklung beginnen die Kinder zu erzählen was sie gemalt haben. In der Umsetzung bei uns legen wir Wert darauf, sie erklären zu lassen und auch nachzufragen. Wir verzichten darauf den Kinder zu sagen was wir in ihrem Bild „sehen“ (erkennen können). Wir bewerten nicht was die Kinder malen, wir greifen nicht in ihr Werk ein oder malen für sie.

Wenn Kinder hören wie schön ein Erwachsener ein Bild eines Kindes findet, motiviert sie das auch ein Bild zu malen, welches die selben lobenden Worte erhält. Die Motivation ist dann nicht mehr die Freude am Malen. Die Befriedigung wird nicht durch das Erschaffen generiert. Der Focus liegt nicht mehr auf der Selbstwertschätzung sondern auf einer Anerkennung im Außen.

Beispiele aus unserem Alltag in der Krippe

Ein älteres Mädchen benannte, was es gemalt hat und kündigte daraufhin an, was es als nächstes vor hat zu malen.

Wir versehen die einzelnen Werke mit einem separaten Zettel auf welchem wir den Namen des Erzeugers, das Datum der Herstellung und gegebenenfalls einer Geschichte zum Bild notieren.

Hier noch ein paar Beispiele zur Phase des Kreiskritzelns…

Die verschiedenen Phasen der Malentwicklung

Das Spurschmieren mit breiartigen Substanzen ist meist die erste Form des Malens, welche aus der Bewegungsfreude der Kinder hervor geht. Auch das hinterlassen von Spuren mit Stöcken gehört in diese Phase der Malentwicklung. Aus der Freude an der Bewegung und dem Wunsch weitere Spuren zu hinterlassen generiert das Kind selbständig das, was wir Erwachsene üben nennen und wechselt dadurch irgendwann in die Kritzelphase. Meist wird die Kreide oder der Stift in der Faust gehalten und es entstehen erstmals Muster. In dieser Phase befinden sich die Muster häufiger neben den dafür vorgesehenen Flächen und es scheint, als ob der Prozess wichtiger ist als das Ergebnis. Beim Hiebkritzeln entstehen bereits kleinere Striche mit einer Bewegung aus der Schulter heraus und der Zusammenhang zwischen den Bewegungen und den hinterlassenen Spuren ist für das Kind erkennbar. In der nächsten Phase werden die Striche etwas länger und dichter und sie wird Schwingkritzeln genannt. Dabei bewegt sich der Unterarm. Da das Kind den Stift ab- und erneut aufsetzen schafft verlaufen die Striche in alle Richtungen und meist platziert das Kind sein Malergebnis in der Mitte des Blattes. Anschließend folgen erstmals rundere Formen wie Spiralen oder sogenannte Urknäule die man als Kreiskritzeln betitelt. In der nächsten Stufe wird aus senkrechten und waagerechten Linien ein Kreuz geformt. Zum Abschluss dieser Phase fängt das Kind an, seinem Bild eine Bedeutung zu geben und seine Zeichnung zu kommentieren. Häufig ist das beschriebene nur für das Kind sichtbar. In einer weiteren Phase entwickelt das Kind den sogenannten Kopffüßer, einen Kreis mit tentakelartigen Beinen, manchmal auch Armen ohne Rumpf oder Bauch gefolgt von der sogenannten Vorschemaphase, in der das Kind seinem Bild Bäume, Häuser oder Autos hinzufügt. Es beginnt die Phase, in der die Zeichnung geplant wird, das Kind weiß vor der Entstehung des Bildes was es malen möchte. Außerdem wird das gemalte detaillierter. Menschen erhalten z. B. Ohren oder Finger wobei die Proportionen selten realistisch sind. Manche gehen davon aus, das die Größe auf deren Wichtigkeit für das Kind schließen lassen. In der Schemaphase werden Arme und Beine bereits mit Doppellinien dargestellt und sogenannte Röntgenbilder entstehen, wenn das Kind mehrere Schichten eines Gegenstandes abbildet, der nicht durchsichtig ist wie z. B. ein Haus dessen Innenleben zu erkennen ist.

Die Entwicklung der Kinderzeichnung

Konflikte gehören zum Leben

Wie wir in der Aqua Kita mit Konflikten umgehen

Die meisten Menschen wünschen sich Beziehungen, ihr Familienleben, ihr Arbeitsumfeld frei von Konflikten. Dabei ist es so wichtig, durch Übung vielfältige Lösungsstrategien für Konflikte zu entwickeln. Konflikte verlieren dadurch mehr und mehr ihrer stressauslösenden Aspekte und der eine oder andere entwickelt sich zum geschickten Verhandler.

Deswegen ist es uns im Alltag so wichtig, Konflikte der Kinder zu begleiten, ihnen zu helfen ihren Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen, sie zu unterstützen mit den Reaktionen zurecht zu kommen wenn ein Bedürfnis einmal nicht erfüllt werden kann anstatt Partei zu ergreifen und zu entscheiden wer recht hat.

Konflikte gehören zum Leben. Entscheidend ist die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Jesper Juul

Pädagogen durchlaufen eine fünfjährige oder längere Ausbildung, um auf die Situationen in den Kitas vorbereitet zu werden. Daher möchten wir Eltern manchmal von ihnen einen Leitfaden, an dem man sich orientieren kann, der einem das Gefühl gibt alles richtig zu machen. Daher finde ich den folgenden Artikel von Jesper Juul sehr hilfreich. Zum einen weil er erklärt, dass es keine pauschal richtigen Antworten für uns Eltern geben kann, zum anderen weil sein Artikel anregt die eigenen Glaubenssätze, Erfahrungen und Ideen zum Thema Konflikte zu hinterfragen.


Konflikte zwischen Kindern

Ich stoße oft auf die Frage „Wie soll man in Konflikten zwischen Kindern eingreifen?“, von Seiten der Eltern, die entweder unsicher sind oder die schlechte Erfahrungen mit einer bestimmten Vorgehensweise gemacht haben. Die Antwort auf diese Frage hängt natürlich von einer Vielzahl von Faktoren ab: Welche Kinder? Das Motiv des Erwachsenen für das Eingreifen? Das Alter der Kinder? Worum dreht sich der Konflikt? Usw.
Das Folgende ist deshalb keine konkrete Antwort, oder eine Gebrauchsanweisung, aber eine Reihe von Überlegungen, die hoffentlich inspirierend wirken können, wenn Eltern ihre eigenen Antworten finden müssen.

Was ist ein Konflikt?

Ein Zusammenleben oder eine Zusammenarbeit mit anderen Menschen – egal welchen Alters – ist ohne Konflikte nicht möglich. Das Einzige, das wir uns aussuchen können ist, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten wollen, wenn diese aufkommen. Einige Menschen sind in Familien aufgewachsen, in denen alle Konflikte unter den Teppich gekehrt wurden, und kümmern sich deswegen zum Teil nicht um Konflikte; deshalb fehlt ihnen die Praxis, an ihnen zu arbeiten.

Andere kommen aus Familien, in denen es ständig Kämpfe und Konflikte gab, die jene unglücklich machten, weil sie nie gelöst wurden. Diese Menschen sind oft geneigt, Konflikte in ihrer eigenen Familie zu unterdrücken, wenn sie erwachsen werden und selbst Kinder bekommen, weil Konflikte für sie dasselbe wie einen Unglücksfall darstellen.

Viele von uns, die heutzutage Kinder haben, sind in einer Zeit aufgewachsen, in denen Erwachsene mit edler Gesinnung der Meinung waren, dass Konflikte vor Kindern verborgen werden müssen. Andere sind in einer Generation aufgewachsen, in welcher Konflikte oft zur Scheidung der Eltern führten: Beide Parteien haben deshalb ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Konflikten innerhalb ihrer Familie.

Ein Konflikt entsteht, wenn zwei Menschen gegensätzliche, oder manchmal bloß verschiedene Bedürfnisse oder Gelüste haben: Und weil nicht alle Menschen gleich sind, bedeutet das, dass wir an jedem einzelnen Tag Konflikte erleben. Hinzu kommt, dass wir nicht selten auch im Konflikt mit uns selbst stehen; ein Teil von uns will das Eine und ein anderer Teil will etwas Anderes.

Wenn wir ein Bedürfnis verspüren, kann der nachfolgende Prozess auf zwei unterschiedliche Weisen verlaufen:
1) Bedürfnis – Befriedigung (dieses Bedürfnisses) – Ruhe
Wir verspüren ein Bedürfnis, wie z. B. Hunger, woraufhin wir etwas essen und somit satt werden.
2) Bedürfnis – Frustration – Kampf – Trauer – Ruhe.
Wir verspüren ein Bedürfnis, wie z. B. Nähe; der Andere steht nicht zur Verfügung und wir werden frustriert und versuchen in Kontakt zu kommen aber werden abgewiesen; wir werden deswegen traurig, weinen und beruhigen uns wieder.

Missverstandene Fürsorge

Der erste Verlauf stellt unsere gemeinsame „paradiesische“ Vorstellung dar. Dem zweiten Verlauf begegnen wir oft im irdischen Alltag. Konzentrieren wir uns also ein wenig auf die beiden Elemente „Kampf“ und „Trauer“: Wenn wir ein Bedürfnis verspüren, wie z. B. „Ich möchte gerne, dass du dein Buch weglegst und dich ein wenig für das interessierst, das ich mit dir teilen möchte“, ist der erste Schritt (und für viele Erwachsene auch der schwerste), seinem Bedürfnis Ausdruck zu verleihen. Viele von uns sind in Familien aufgewachsen, in denen es als verkehrt oder egoistisch angesehen wurde, einfach zu sagen, was wir gerne bekommen möchten. Daraus resultiert, dass wir Erwachsenen oft unmittelbar zur Frustration übergehen: „Musst du immer lesen?“, „Wieso sagst du nie etwas?“, „Du interessierst dich nie für mich!“ usw.

Aber obwohl wir nun unser Bedürfnis ausdrücken, können wir trotzdem ständig riskieren, dass der Andere mit einem „Ich habe jetzt gerade keine Zeit“, „Ich habe jetzt keine Lust mich mit dir zu unterhalten, kann das nicht bis morgen warten?“, oder vielleicht bloß mit einem halb gequälten „Was ist denn jetzt?!“ antwortet. Wenn dies geschieht, beginnt der Kampf oder die Verhandlung – wie man eigentlich sagen müsste – weil es gerade kein Kampf im Sinne von Krieg ist, der hier gemeint ist. Aber selbst ein sehr geschickt Verhandelnder kann verlieren, (dies ist oft die kindliche Situation im Verhältnis zu den Erwachsenen: „Darf ich ein Eis haben?“, „Darf ich nicht ein bisschen länger aufbleiben?“). Manchmal sind unsere Bedürfnisse so verschieden, dass wir uns gar nicht einigen können, und wenn dies geschieht, gibt es in der Wirklichkeit nur eines zu tun: nämlich über die Niederlage zu weinen. Trauer ist das Einzige, das unsere innere Balance wieder aufrichten – und somit die innere Ruhe wiederherstellen kann. Nicht zu bekommen, was wir uns am meisten wünschen, stellt gewissermaßen eine traurige Niederlage dar. Es kann sich dabei um ein nicht besonders wichtiges Bedürfnis handeln, wobei die Trauer deswegen nur als kleine Enttäuschung wahrgenommen wird, oder aber das Bedürfnis kann so lebensnotwendig sein, dass die Trauer sich überwältigend anfühlt. Als Kinder hatten viele von uns nicht die Möglichkeit, die „große“, „mittelgroße“ oder „kleine“ Trauer zu verarbeiten. Die Erwachsenen unterbrachen uns mit ihrem: „Jetzt musst du aber lieb (umgänglich, vernünftig, groß) sein!“, „Hör auf dich zu spreizen!“, oder „Lass mich mit einem solchen Unsinn zufrieden!“ Wir mussten unseren Kummer hinunterschlucken und in der Frustration verbleiben. Wir ordneten uns unter, und nach einem sieben- bis achtjährigen Training konnten wir eine vernünftige, liebe, umgängliche oder erwachsene Maske tragen, und unsere Eltern konnten sich gegenseitig damit beglückwünschen, dass wir auf jeden Fall „anscheinend“ harmonisch (und nicht lästig) geworden waren. Eines der Resultate aus dieser missverstandenen Fürsorge ist, dass viele Erwachsene ein Gespür für die Trauer verloren haben. Sie bemerken einzig die Frustration und reagieren deswegen mit lautem Rufen, Ausschimpfen, Vorwürfen und Schlägen, wenn sie nicht das bekommen können, was sie vermissen. Dies verwehrt ihnen selbstverständlich das zu bekommen, was sie haben möchten, aber hinterlässt sie oft unbefriedigt, selbst wenn deren Umgebung versucht, ihren Ansprüchen gerecht zu werden.

Der kulturelle Faktor

Es gibt außerdem einen kulturellen Faktor außerhalb der psychologischen Mechanismen. Hier in Skandinavien bedeutet dies, dass die Anzeichen für einen Konflikt oft Schweigsamkeit oder Abstand sind, ganz im Gegensatz zur südlichen Kultur, in welcher Konflikte regelmäßig von Rufen, Schreien und erhöhter körperlicher Aktivität ausgehen. Wenn man in Skandinavien aufwächst, bedeutet das, dass man als Kind oft den Konflikt spürt, aber dessen genauen Inhalt nicht zu entschlüsseln vermag. Kinder in unserer Kultur kommen deswegen oft zu dem Schluss, dass sie diejenigen sind, mit denen etwas nicht in Ordnung ist, aber auf einer sonderbar diffusen Art und Weise. Das bedeutet nicht, dass Rufe und Schreie die bessere Lösung sind; sie stellen bloß eine andere Umgangsweise dar, und diese schafft eine andere Konfliktbereitschaft unter den Kindern, wenn diese erwachsen werden.

Obwohl diese charakteristischen Verhaltensweisen recht typisch für die nördlichen und südlichen Himmelsrichtungen sind, bedeutet dies nicht, dass sie angeboren sind – ganz im Gegenteil: sie sind angelernt. Wir erlernen sie in unserer Familie. Kinder wurden mit jener Konfliktbereitschaft geboren, wie sie in Punkt 1) und 2) früher in diesem Kapitel skizziert wurde, allerdings ohne dem wichtigsten Verhandlungswerkzeug, welches die Sprache ist, und ohne die Fähigkeit von ihr Gebrauch zu machen, um sich damit selbst auszudrücken. Gleichwie auf den meisten anderen Gebieten frühkindlicher Entwicklung, in denen sie mit der Ausbildung der Grobmotorik (große Bewegungen in den großen Muskeln) beginnen, und mit der Ausbildung der Feinmotorik (kleine Bewegungen in den kleinen Muskeln, wie z. B. in den Stimmbändern) abschließen, beginnen sie ebenfalls damit, Frustrationen und Konflikte sozusagen mit „Armen und Beinen“ auszudrücken.

Wenn es um die Verarbeitung von Konflikten mithilfe von Sprache (Feinmotorik) geht, lernen Kinder fast ausschließlich anhand von Beispielen, d. h. von ihren Eltern, deren Vorgehensweise sie nachahmen. Und das gilt sowohl hier als auch in allen anderen Beziehungen: Die Kinder lernen von der Vorgehensweise, mit der wir die Dinge angehen; nicht auf die Art und Weise, die wir ihnen vorschreiben, wie sie sie handhaben sollen. Sobald die Kinder fünf-sechs Jahre alt geworden sind, handeln sie, wie wir handeln, und weil niemand von uns perfekt ist, sind die Kinder es auch nicht.

Erwachsene können von Kindern lernen

Selbst wenn kleinere Kinder oft von „Armen und Beinen“ Gebrauch machen, wenn sie sich in einem Konflikt befinden, können die meisten von uns etwas von der Selbstverständlichkeit lernen, mit der sie ihre Bedürfnisse ausdrücken. Vielen Ehen und Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen würde es bedeutend besser bekommen, wenn alle Parteien die grundlegenden Sätze in der persönlichen Sprache verwenden würden: „Ich will“, „Ich will nicht“, „Ich kann (es) leiden“, „Ich kann (es) nicht leiden“, „Ich will haben“, bzw. „Ich will nicht haben“. Gleichzeitig haben Kinder in diesem Alter sich die Fähigkeit bewahrt, die richtige Tonlage zu den Worten hinzuzufügen. Sie rufen, wenn sie frustriert sind, weinen, wenn sie deswegen traurig sind, bzw. schimpfen, wenn sie zornig sind. Viele der Erwachsenen haben diese beiden wertvollen Eigenschaften verloren – zum großen Nachteil für ihre Lebensqualität.

Die Kinder können von uns lernen, wie man die Sprache zum Bearbeiten von Konflikten benutzt, was nicht mit einem „vernünftig über die Dinge sprechen“, oder einem „beruhige dich“, oder einem „sei jetzt logisch“ verwechselt werden darf. Der Mensch ist kein rationales Wesen; vor allem dann nicht, wenn wir uns in einem Konflikt mit uns selbst oder miteinander befinden.

Die Kinder können von unserem Beispiel lernen. Wie gehen Vater und Mutter vor, wenn sie sich in einem Konflikt miteinander befinden? Wie handeln Vater und Mutter, wenn sie sich im Konflikt mit uns befinden? Die Kinder sind wie immer der Spiegel, in dem wir uns selbst am deutlichsten sehen, und sie sind, wie immer, eine Inspirationsquelle, um unsere eigene Funktionsweise zu beobachten und diese zu verbessern.

Als Erwachsene können wir Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen lehren. Wir können ihnen beibringen, nicht über eine rote Ampel zu gehen, und ihnen ähnliche praktische und notwendige Fertigkeiten vermitteln. Aber was die wirklich wichtigen Dinge im Leben betrifft, sind es oft die Kinder, die uns am meisten beibringen können, obwohl sie dazu „verurteilt“ sind, uns nachzuahmen.

Wie man eingreift

Es ist relativ einfach, Anweisungen dafür zu geben, wie man in einen Konflikt eingreift. Man sollte persönlich und wohlüberlegt vorgehen, und man sollte es unterlassen zu kritisieren oder Partei zu ergreifen. Überlege dir zuerst, warum du in den Konflikt der Kinder eingreifen willst. Ist es, weil du Konflikte hasst und einen Mangel an Konflikten mit Harmonie und Glück verwechselst?
Falls es das ist, warte einen Augenblick! Ist es, weil der Konflikt zu destruktiv, zu verbissen ist? Falls es das ist, warte dennoch etwas, und sage dann: „Aufhören!“, „Stopp!“, und rufe es gerne so hoch und so innig aus, wie du den Drang danach verspürst! Das soll bloß effektiv sein. Keine halbherzigen Bemerkungen im Stil von: „Wollt ihr jetzt nicht einmal aufhören. Ich kann das bald nicht mehr aushalten“ (jammernd); „Ihr seid auch ganz unmöglich – alle beide. Könnt ihr nicht hören, was man euch sagt?“ (anklagend). „Nein, jetzt musst du also Rücksicht darauf nehmen, dass er trotz alledem der Kleine ist!“ (kritisierend).
„Was stimmt denn nicht mit euch und warum könnt ihr nicht ruhig und in Frieden miteinander spielen?“ (machtlos). Wenn der Konflikt gestoppt ist, kann man den Kindern dabei behilflich sein, die richtigen Worte zu finden, d. h. die Worte, die hinter „Scheißkerl“, „Idiot“ usw. stecken.
– Beginne damit, beiden Parteien folgende Fragen zu stellen: „Was ist es, das du gerne haben möchtest?“ Höre die Antworten sorgfältig an, und verzichte darauf, diese zu werten!
– Überprüfe, ob die Kinder jeweils die Antwort des anderen gehört haben und bitte sie evtl. darum, das Ergebnis der Antworten gegenseitig zu wiederholen.
– Bitte den Initiator zu untersuchen, ob das, was er bekommen möchte, möglich ist. Falls es nicht möglich ist, bitte ihn, seine Reaktion darauf auszudrücken! Dasselbe gilt, falls es möglich ist das zu bekommen, was er möchte.
– Vermeide es, den Kindern für ihre Mithilfe zu danken!
– Beachte stets, dass der Erwachsene lediglich Vermittler und nicht Richter ist!

Wenn dieser Vorgang abgeschlossen wurde, ist die Aufgabe des Erwachsenen zu Ende. Die Kinder sind sich nunmehr selbst und einander bewusst geworden und, ehe sie acht bis zehn Jahre alt geworden sind, sollten sie dies gelehrt bekommen haben. Falls du mit dieser Praxis erst anfängst, wenn die Kinder groß sind, benötigt es nicht so viel Zeit, aber rechne nicht damit, dass die Konflikte aufhören, bevor ein Jahr oder noch mehr Zeit vergangen ist! Es gibt keinen Grund moralisierend zu werden oder Schuld zuzuweisen. Dies baut – ganz im Gegenteil – auch noch einen neuen Konflikt in den Kindern selbst, oder zwischen ihnen auf und bremst somit ihr Erlernen.

In manchen Familien gibt es sehr häufige Konflikte zwischen Kindern; es scheint, als ob selbst der kleinste Zwischenfall einen Anlass zum Streit liefert. Sollte dies der Fall sein, zahlt es sich aus, die Familie zusammen zu rufen und ein gründliches Gespräch darüber zu führen was „es“ ist, das zur Zeit in der Familie liegt und vor sich hin schwelt. Es gibt drei Orte, an denen man suchen kann: zwischen den Erwachsenen und den Kindern, zwischen den Erwachsenen untereinander, oder zwischen den Kindern. Die Ursache für ein anhaltend hohes Konfliktniveau findet sich selten bei den Kindern.

Letztlich sind wir als Eltern oft von einem unbändigen Drang besessen uns nützlich zu machen, um zu erziehen, um von uns zu lernen. Oft geschieht all die Aktivität mehr unseretwegen als der Kinder wegen. Falls du es nicht ertragen kannst, wenn die Kinder Konflikte haben, versuche, die Szenerie zu verlassen. Schließ die Tür, geh in einen anderen Raum, geh spazieren! In vielen Fällen lernen die Kinder schneller und besser, je weniger wir uns einmischen.

©Jesper Juul, www.familylab.de – die familienwerkstatt

Hausaufgaben in Zeiten von Homeschooling

In Kontakt bleiben

Die Schulen und Kita’s wurden geschlossen und viele Eltern ins Homeoffice geschickt. Wir wollten in der Zeit der coronabedingten Schließung Kontakt halten, haben unsere Familien gefragt, wie es ihnen geht und für die Kinder persönliche Nachrichten geschickt.

Themen, die die Familien beschäftigen

Einige der Hauptthemen, die die Eltern beschäftigen, waren Langeweile, Spielen und die allseits beliebten Hausaufgaben. Denn alle Schulkinder haben für die Zeit der Schulschließung Aufgaben bekommen, die sie zu Hause erledigen sollen, damit sie keinen Lernstoff verpassen. Nur wie strukturiert man das eigene Homeoffice und motiviert sein Kind seine Aufgaben zu erledigen, schließlich kann man zu Hause so viele andere interessante Dinge machen.

Lassen sie sich nicht durch schlaue Sprüche von Außenstehenden verunsichern. Was bei deren Kindern geholfen hat, muss für ihr Kind noch lange nicht passen. Kinder sind Individuen und brauchen jedes für sich individuelle Lösungen. Sie als Eltern sind die Experten wenn es um ihr Kind geht. Sie kennen den bisherigen Entwicklungsweg, die Vorlieben und Schwächen.

Natürlich gibt es auch Kinder, die gerne Hausaufgaben machen und somit nicht groß motiviert werden müssen. Dieser Beitrag richtet sich eher an die erste Gruppe, die Kinder die einen kleinen Schubs brauchen.

Also was tun, wenn das Kind sich nicht motivieren lässt?

Im Internet findet man viele Berichte, Ratgeber und Videos von Eltern, in denen erzählt wird wie man Home Office und Home Schooling unter einen Hut bekommen soll. Hier ein paar ausgewählte Tipps in Orientierung an dem Buch „Stressfreie Grundschuljahre“ von Doris Heueck-Mauss (1). Dieses Buch findet ihr bald in der Elternbibliothek, sobald die Facharbeit zur partizipativen Hausaufgabengestaltung fertig ist. Die Autorin nennt einige Punkte, welche bei den Hausaufgaben beachtet werden sollen bzw. die Motivation steigern können.

Die richtige Zeit

Es gibt Kinder, die müssen früh loslegen, andere brauchen erst mal Zeit um im Tag anzukommen. Ist der Biorhythmus erkannt, sollte man überlegen wie er in den aktuellen Alltag aller zu Hause befindlichen Personen integriert werden kann. Dann sollte in Absprache mit dem Kind eine feste Zeit für die Aufgaben festgelegt werden, genauso wie die Dauer vereinbart werden sollte.
Weiterhin kann man einen Wochen- bzw. Stundenplan für die Familie erstellen, damit ein einigermaßen geregelter Alltag möglich ist. Eure Termine, Telefonkonferenzen o. ä. im Homeoffice sollten ebenfalls in diesen Wochenplan einfließen.

  • Bei 1.-2. KlässlerInnen werden maximal 30 Minuten täglich empfohlen; am besten eine Stoppuhr stellen, das regt das Kind dazu an, in der Zeit auch effektiv zu arbeiten und nicht zu trödeln
  • Bei 3.-4. KlässlerInnen dürfen es auch mal mehr als 30 Minuten sein, die 60 Minuten in der Regel aber nicht überschreiten (2)
  • Ist die Zeit abgelaufen, sollte das Kind spielen und sich, falls möglich, bewegen dürfen

Der richtige Platz

Es muss nicht der Schreibtisch im eigenen Zimmer sein. Gerade Schulanfänger brauchen noch den Kontakt zu den Eltern. Ein Platz am Küchentisch oder am Schreibtisch, wo die Eltern ihr Homeoffice leisten, kann oft der bessere Platz sein. Soweit möglich sollte der Arbeitsplatz übersichtlich gestaltet sein, das kann die Motivation für die Hausaufgaben steigern. Für viele Kinder braucht es die elterliche Nähe, aber niemanden der neben ihnen sitzt. Das wird manchmal auch als Druck oder Kontrolle empfunden.

Grundbedürfnisse haben Vorrang

Hunger, Durst und der Gang zur Toilette sollten vorher befriedigt werden. Gehört ihr Kind zu denen, die Hunger entwickeln, kaum dass sie mit den Aufgaben begonnen haben, stellen sie einen Teller mit klein geschnittenem Obst oder Gemüse in Reichweite der Arbeitsumgebung. Wasser könnte ebenfalls in Reichweite stehen.

Rituale erleichtern den Anfang

Kinder lieben Rituale, sie geben ihnen Sicherheit. Als Beispiel könnte immer 5 Minuten vor Beginn der Aufgaben zum Einstimmen ein bestimmtes Lied abgespielt werden. Die Essenszeit wird bei manchen Familien ja auch mit Hilfe eines Gongs angezeigt. Oder man legt eine Runde Kuscheln ein, bevor die Eltern mit dem Homeoffice starten und die Kinder ihre Aufgaben beginnen.

Das Gehirn einstimmen

Alle Bewegungen, die vor dem Körper über Kreuz ausgeführt werden, synchronisieren die beiden Gehirnhälften und unterstützen somit die Vernetzung.
Überkreuzbewegungen hinter dem Körper unterstützen die Konzentration und das Verknüpfen mit bereits gelerntem Wissen.
Der Schwerkraftgleiter unterstützt das Gleichgewicht zwischen Verstand und Gefühl. (3)

Mit einfachen, schnell lösbaren Aufgaben beginnen

Dadurch wird bereits früh ein erstes Erfolgserlebnis geschaffen und die Motivation auch den Rest hinzukriegen steigt.

Pausen einbauen

Nach ca. 30 Minuten eine Pause einlegen. Ein für das Kind überschaubares Zeitfenster erleichtert oftmals das anfangen.

Mit positiver Verstärkung arbeiten

Wenn die Hausaufgaben zu Machtkämpfen führen, ändern sie ihre Strategie und setzten positive Verstärker ein. Sie haben beobachtet, dass sich ihr Kind eine halbe Stunde angestrengt und geplagt hat, aber die Buchstaben sehen immer noch nicht so aus, wie sie es gerne hätten. Dann melden Sie ihrem Kind zurück, dass ihnen aufgefallen ist, wie sehr es sich bemüht und angestrengt hat.

Neue Situation zu Hause

Für die Kinder, besonders für die Jüngeren, ist es nicht ganz einfach zu verstehen, warum Mama und Papa zu Hause sind, aber trotzdem nicht dauerhaft als Spielpartner zur Verfügung stehen.

Wie bekommt man Homeoffice und Homeschooling und die Betreuung der kleineren unter einen Hut?

Das waren nun einige Tipps, die euch durch diese Zeit helfen sollen, die Kinder hoffentlich etwas mehr motivieren und euch entlasten können.

(1) Heueck-Mauss, Doris, Stressfreie Grundschuljahre, Humboldt Verlag, 2019, Hannover
(2) https://www.grundschulen.net/104-richtlinien-fur-hausaufgaben-zeit-und-umfang.html
(3) https://entfaltungsparadies.at/wp-content/uploads/Schwerkraftgleiter.pdf

Tiergestützte Pädagogik

Ein Ausflug auf den Reiterhof und was wir lernen durften

In der heutigen Zeit haben immer weniger Kinder einen direkten Kontakt zu Tieren und so freuten wir uns, in den Faschingsferien mit einigen Hortkindern einen nahe gelegenen privaten Reiterhof besuchen zu können. Manche hatten im Urlaub oder in ihrer Freizeit schon Kontakt und Umgang mit Pferden, andere waren das erste Mal auf einem Reiterhof.

Der Alltag an einem Hof

Die Kinder erhielten einen Einblick in die Hofarbeiten, durften den Lebensraum kennen und pflegen lernen und auch die Verhaltensweisen der Tiere beobachten. Außerdem war der Umgang, die Nachsorge und das Füttern eines Pferdes unser Thema. Den Kindern eröffnete sich in über viereinhalb Stunden ein weiterer Raum für das freie Spiel, für eigene Entdeckungen und Erfahrungen mit dem naturnahen Lebensraum.

Steigerung des Verantwortungsbewusstseins

Ein Kind aus der Gruppe war besonders bemüht die Stall- und Hofarbeit gewissenhaft zu erledigen. Das sonst eher stille, zurückhaltende Mädchen agierte auf dem Reiterhof auf einmal sehr bestimmt. Die Kontaktaufnahme zu den Hofbesitzern gelang ihr ganz leicht, während sie sich sonst eher introvertiert verhält. Sie gab erhaltene Informationen und Anweisungen an die anderen Kinder weiter und erledigte konsequent die ihr zugetragenen Aufgaben. Wurde ihr etwas Neues erklärt hörte sie konzentriert zu und spiegelte das neu erlangte Wissen danach in ihrem Tun. Das in seinem Bewegungsverhalten eher auffällige Mädchen spielte aktiv mit dem Hofhund, jedoch immer vorsichtig und das Verhalten des Tiers beobachtend.

Nach der Hofarbeit und der Mittagspause begann eine Kleingruppe mit der Pferdepflege. Eines der älteren Kinder putzte das Pferd mit starken Bewegungen am Hals. Das Mädchen kam zu der Pflegesituation hinzu, beobachtete Kind und Pferd während des Striegelns und nach kurzer Zeit sagte sie laut und deutlich zu dem wesentlich älteren Kind: „Hör auf so arg zu putzen! Das Pferd mag das nicht!“ Das Pferd schlug minimal mit nach hinten gedrehten Ohren mit dem Kopf. Daraufhin wurde das ältere Kind in seinen Bewegungen sanfter. Das Pferd klappte die Ohren nach vorne und senkte zufrieden den Kopf.

Stärkung des Selbstwertgefühls

In den Tagen nach dem Ausflug viel auf, dass besagtes Mädchen auch im Hort Alltag wesentlich selbstbewusster agierte und lauter und deutlicher sprach, als zuvor. Die Eltern meldeten zurück, dass ihr Kind auch zuhause noch oft von dem Ausflug erzählte und sie hofften, dass ein solcher Besuch erneut stattfinden kann.

Das Mädchen hatte zuvor nur Erfahrung im Umgang mit Kleintieren. Die Verhaltensweisen von Hunden und Pferden war völlig neu für sie. Es stellte sich auf diesem Ausflug heraus, dass sie sehr empathisch und einfühlsam mit den Lebewesen aus ihrer Umwelt umgeht. Den Gemütszustand der Tiere anhand ihres Verhaltens deuten und schnell eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Die positiv geprägte Interaktion mit den Tieren war nicht nur nach außen deutlich zu sehen, sondern auch spürbar für das Kind, wodurch sie seelisch gewachsen ist und ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstbewusstsein gestärkt wurden. Das wiederum hatte positive Auswirkungen auf das Verhalten des Mädchens in ihrem Alltag.

Fazit

Ein schönes Beispiel für positive Effekte der tiergestützten Pädagogik auf das Verhalten von Kindern durch die Zusammenarbeit mit Tieren. Auch für die Zusammenarbeit mit den Eltern, die uns unterstützt haben, möchten wir uns an dieser Stelle bedanken…

Bewegungsentwicklung

Wie man Pikler Elemente in der Krippe nutzen kann

Die freie Bewegungsentwicklung ist das A und O für eine autonome, selbstbestimmte und sichere Abfolge von einzelnen Bewegungsabläufen. Durch das ständige Wiederholen und Üben werden sie verinnerlicht und abgespeichert. Erst wenn ein Kind eine bestimmte Abfolge inne hat, kann es sich neuen Abläufen widmen. Durch den voran gegangenen Prozess sind Sicherheiten und Routinen entstanden, die dem Kind eine gewisse Entspannung in neuen Bewegungsabläufen ermöglichen.

Um dem Kind ein solches Lernen zu ermöglichen, braucht es Erwachsene in seiner Umgebung, die dem Kind die notwendige Zeit lassen seine Umgebung in seinem Rhythmus und auf seine eigene Art kennen zu lernen. Zu diesem Prozess gehört auch, dass es Misserfolge erleben darf oder zugelassen wird, dass es von Erhöhungen herunter fällt. Das sind wichtige Lernprozesse die durchlebt werden müssen und für die Zukunft Sicherheit und emotionale Stabilität schaffen.

Die freie Bewegungsentwicklung aktiviert darüber hinaus den Bereich im Gehirn, welcher für die Sprachentwicklung zuständig ist. Damit wollen wir nicht andeuten, dass ein Kind schneller sprechen lernt umso mehr es sich bewegt. Ein Kind, dass sich viel bewegt, erlebt viel und hat anschließend das Bedürfnis das Erlebte durch Sprache auszudrücken. Kinder, die sich wenig bewegen oder eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten haben, haben weniger Möglichkeiten durch Bewegung Spannungen abzubauen und seltener das Bedürfnis ihr Tun durch Worte auszudrücken.

Konnten wir zum Kind eine stabile Beziehung aufbauen und sind durch Beobachtung in der Lage seine Ressourcen einzuschätzen, bekommen die Kinder in der Krippe die Möglichkeit mit unterschiedlichen Höhen zu experimentieren. Das Fallen gehört zum Entdecken unterschiedlicher Höhen dazu. Auch das Spüren von Frust oder den eigenen Erfolg gehört dazu, sowie das Aufstehen und ggf. einen neuen Versuch zu wagen.

Wir nutzen verschiedene Pikler Materialien um für die Kinder einen Parcours bzw. eine Bewegungsbaustelle zu generieren. Um bei aller Bewegungsfreiheit auch einen sicheren Rahmen gewährleisten zu können, begleiten wir die Kinder anfangs engmaschiger und etablieren während dessen ein paar wichtige Regeln bei der Nutzung. Dazu gehört beispielsweise sich gegenseitig den nötigen Platz so wie die Zeit zu lassen die jeder einzelne braucht um in seinem Rhythmus sich so weit bewegen zu können wie man es schafft oder wie es sich jeder einzelne traut. Auch eine wichtige Regel lautet, von einer Ebene herunter zu springen ist erst dann möglich, wenn kein anderes Kind darunter ist oder kein sperriger Gegenstand am Boden liegt.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, wenn beide Hände frei sind, um sich beim Fallen besser abfangen zu können. Allerdings trauen wir anhand der Kompetenzen von manchen Kindern diesen in Einzelfällen zu, mit einem Gegenstand in der Hand zu klettern.

Haben die Kinder im Spiel die Idee für eine Veränderung, können die älteren Kinder uns das mitteilen und wir „gestalten und bauen“ um. Bei jedem Bewegungsablauf hat der Erwachsenen eine entscheidende Rolle. In unserer Krippe nehmen wir Kinder weder an die Hand, noch zeigen wir ihnen auf, welche Schritte sie gehen können um an ihr Ziel zu gelangen. Wir heben Kinder bei Unsicherheit von einer Anhöhe ganz herunter, damit sie von vorne beginnen können, sofern sie das möchten.

Einige Erwachsene tendieren gerne dazu, den Kindern den Weg nach untern zu zeigen. Wir PädagogInnen tun dies nicht, denn es könnte passieren, dass wir das Kind ungewollt verunsichern oder überfordern. Vor allem wäre es dann nichts, was das Kind aus eigener Kraft heraus geschafft hätte und dadurch kann es auch nicht verinnerlicht werden.

Bringt die oben erwähnte Hilfestellung des Erwachsenen aus dessen Sicht das Kind zum „Erfolg“ ist dies leider ein Missverständnis. Denn in diesem Fall handelt es sich um ein Nachmachen oder Auswendiglernen und diese Art von Lernen, vergisst man schnell wieder. Das kennen die meisten aus der Schule 🙂

Wie Kinder lernen

Wie lernen Kinder und was brauchen sie von uns Erwachsenen?

  • Soziale Eingebundenheit
    Enge Zwischenmenschliche Bindungen und gute Beziehungen
  • Autonomieerleben
    Freie Bestimmung und Steuerung des eigenen Handelns
    Selbstbestimmte Interaktion mit der Umwelt
  • Kompetenzerleben
    Aufgaben aus eigener Kraft und durch eine effektive Interaktion mit der Umwelt zu bewältigen

Wie Kinder lernen und was Remo H. Largo dazu meint:

  • Nur wenn sich ein Kind körperlich wohl fühlt, kann es sich seinen Möglichkeiten entsprechend entwickeln.
  • Das Kind hat einen angeborenen Drang, seine soziale und seine materielle Umwelt begreifen zu wollen. Die treibenden Kräfte der Entwicklung sind Neugier und Eigenaktivität.
  • In jeder Entwicklungsperiode reifen bestimmte Fähigkeiten heran, die sich das Kind durch konkrete Erfahrungen aneignet.
  • Interessen und Eigenaktivität sind in jedem Alter entwicklungs-spezifisch: Das Kind sucht sich aus der Vielzahl möglicher Erfahrungen diejenigen heraus, die seinem Entwicklungsstand entsprechen.
  • Der Sinn des kindlichen Lernens liegt nicht im Endprodukt, sondern im Lernprozess selbst. Umwege, Fehlschläge und Enttäuschungen gehören ebenso zur Lernerfahrung wie das Gelingen.
  • Sinnvolles Lernen zeichnet sich durch Eigenkontrolle und Selbstbestimmung aus.
  • Fähigkeiten können durch Üben nicht hervorgerufen, sondern nur verinnerlicht und Differenziert werden. Üben besteht nicht aus stereotypen Wiederholungen, sondern in einem Anpassen der neu erworbenen Fähigkeiten an unterschiedliche äußere Bedingungen, sowie in der Integration in vorhandene Fähigkeiten.
  • Die Aufgaben der Eltern und der Bezugspersonen sind: Die Umwelt für das Kind so zu gestalten, dass es entwicklungs-spezifische Erfahrungen machen kann; dem Kind ein Vorbild sein; das Kind in denjenigen Bereichen zu unterrichten, für die es Interesse zeigt.

Wie Kinder lernen und was der Erziehungswissenschaftler Gerd Schäfer dazu meint:

  • Das Kind möchte mit allen Sinnen die Welt entdecken und braucht Menschen dazu, die ihm Resonanz geben, die es so annehmen wie es ist (Erfahrungslernen).
  • Kinder sollen schöpferisch und weitestgehend selbstbestimmt lernen können.

Wie Kinder lernen und was Gerald Hüther, Neurobiologe dazu meint:

Das Kind kommt mit zwei wichtigen Erfahrungen zur Welt:

  • Der unendlichen Verbundenheit mit einem Menschen – der Mutter und der Möglichkeit sich dabei zu entwickeln.
  • Man muss einen Sinn darin sehen etwas zu lernen, ohne Motivation passiert im Gehirn gar nichts

Im Alltag des Lernens bedeutet das Konkret:

  • Gute Beobachtung
    Ressourcenorientierter Blick
    Akzeptanz von Individualität und Vielfalt
  • Lernanregende Umwelt
  • Resonanz durch Interesse und Beziehung
    nicht durch Lob und Tadel
  • Unsere Neugierde
    Unser Interesse an ihren Gedanken und Ideen
    (Auf eine Frage kommt keine Antwort sondern eine Frage)

Welche Kompetenzen der Erwachsenen braucht es dazu:

  • Fähigkeit zu improvisieren
  • Soziale Phantasie
  • Ambiguitätstoleranz
  • Intuition
  • Innehalten
  • Erfahrungslernen

Was für Erinnerungen haben wir an unser eigenes Lernen?

  • Wenn ich mich erinnere, in welchen Situationen habe ich etwas gelernt, was ich heute noch weiß?
  • Was haben „gute“ Lernerfahrungen gemeinsam und gibt es Gemeinsamkeiten bei „schlechten“ Lernerfahrungen?
  • Haben mein Interesse, meine Lust darauf oder meine Freude daran die Erfahrung beeinflusst?
  • Hat mich die Sinnhaftigkeit, die Persönlichkeit des Lehrenden oder einfach nur der Stolz beim Gelingen beeinflusst ?

Wie setzen wir das in der Aqua Kita um?

Viele Jahre der Beobachtung und Forschung bestätigen uns in unserem Bemühen als Erzieher weg von der Rolle des Animateurs hin zur Rolle des Begleiters beim Entdecken der Welt. Die Frage, wie kann ich das Kind unterstützen, dass es sein Vorhaben selbst durchführen kann hat eine höhere Priorität als etwas für das Kind zu tun und somit ist unser Bestreben die Situationen nicht nur lernanregend zu gestalten, sondern für die Kinder darin auch die Möglichkeit zu schaffen ihre sich selbst gestellten Aufgaben selbst erledigen zu können.

Bei unserem Themenabend hat Christiane Steine von der SOKE Ideen für positives Lernen vermittelt…

Mathematik spielen

Verständnis von mehr und weniger

Die Kinder der Krippe haben sich intensiv mit dem stapeln und sortieren von bunten Ringen beschäftigt. Sie haben ausprobiert, wie hoch ein Ring -Turm werden kann bevor er kippt, haben die Ringe nach Farben gestapelt und nachgesehen, welcher Turm in welcher Farbe am höchsten ist … einfarbige, zweifarbige und bunte Türme wurde gebaut!

Was für uns wie bloßer Spaß aussieht bedeutet für die Kinder das Erlernen von erstem mathematischem Denken – Strukturen und Gesetzmäßigkeiten erkennen und Dinge miteinander in Beziehung setzen sowie Mengenunterschiede grob abschätzen können. Das ist eine wichtige Voraussetzung für das Verständnis der Begriffe „mehr“ und „weniger“ und stellt die Grundlage für das spätere Rechnen dar.

Das abstrahierende und folgernde Denken entwickelt sich auf der Grundlage kognitiver Fähigkeiten, Eigenschaften von Objekten zu unterscheiden. Dieses Denken zeigt sich in der Begeisterung, mit der Kinder Dinge nach ihren verschiedenen Eigenschaften sammeln, sortieren und vergleichen.

Jedes Kind verfolgt sein eigenes Ordnungssystem, das sich an sehr unterschiedlichen Kriterien orientieren kann: Verwendungszweck, Formen (rund, eckig, gerade), Farben (von bunt nach grau) oder auch Gefühlen (von lustig nach langweilig).

Nach welchen Kriterien ordnet euer Kind?

Autonome Entwicklung

Wie gelingt es, dass sich Kinder im eigenen Rhythmus und mit den in ihnen angelegten Ressourcen möglichst frei entfalten können?

Viele Fragen die wir beim letzten Elternabend in die Runde bekamen werden in dem Artikel von Renate Delpin („Mit Kindern wachsen“, Januar 2011) leicht verständlich erklärt.

ENTWICKLUNG BRAUCHT ZEIT

Entwicklung lässt sich nicht beschleunigen, nicht erzwingen, zumindest nicht ohne dabei die Selbstwirksamkeit des Kindes einzuschränken oder zu behindern. Selbstwirksamkeit aber, die Erfahrung, mit den im Augenblick vorhandenen, eigenen Möglichkeiten zu handeln, zu gestalten, etwas umsetzen zu können, ist wesentlich, um im Einklang mit sich und mit den anderen zu sein und ein Gefühl der Sinnhaftigkeit zu erleben. Es gibt den bekannten und stimmigen Vergleich mit dem Wachstum der Pflanzen. An ihnen zu ziehen, um sie schneller zur Reife zu bringen, ist fatal.

ENTWICKLUNGSBEGLEITUNG DURCH ERWACHSENE

Emmi Pikler und Arno Stern haben in ihren Forschungen und in ihrer Arbeit, ihrem Leben mit Kindern, sehr genau wahrgenommen, in welcher Weise eine autonome Entwicklung stattfinden kann und welche Begleitung Kinder von Erwachsenen brauchen. Ihre Beobachtungen sollen deshalb hier beschrieben und zitiert werden.

Emmi Pikler beschäftigte sich vor allem mit der Bewegungsentwicklung im Säuglings-und Kleinkindalter und stellte fest, dass jeder Säugling über ein angeborenes Entfaltungspotential verfügt, das mit kleinen zeitlichen Ab­weichungen bei allen Kindern sehr ähnlich verläuft. In der Bewegungsentwicklung bedeutet das unter anderem, dass der Säugling vom Liegen auf dem Rücken über das Liegen auf dem Bauch und das Krabbeln zum Stehen kommt. Diese Ent-wicklung entwächst ihm gleichermaßen, ohne dass eine Unterstützung von außen notwendig wäre. Vielmehr verhält es sich so, dass „Hilfe“ diesen Prozess stört. Das Gefühl, autonom etwas erreicht zu haben, etwa das freie Stehen oder Sitzen, kann nicht ausreichend erlebt werden, wenn dabei „nachgeholfen“ wird, indem Kinder beispielsweise im Kindersessel, mit Polstern unterstützt, aufgesetzt werden oder wenn sie an der Hand hochgezogen und geführt werden. Solch ein Verhalten bewirkt im Erleben des Kindes auch eine zunehmende Abhängigkeit, die sich mehr und mehr verstärkt, wenn jegliche Hindernisse (etwa ein weiter weg liegendes Spielzeug oder ein am Boden liegender Baum­stamm) mit Hilfe der Erwachsenen überwunden werden.

LERNEN LERNEN

,,Dieser Prozess des Lernens spielt eine sehr wichtige Rol­le im ganzen späteren Leben des Menschen. Durch diese Art der Entwicklung gelangt der Säugling selbständig, mit geduldiger, ausdauernder Arbeit, mit Sammlung seiner ganzen Aufmerksamkeit zu seinem Können. Er erlernt also im Lauf seiner Bewegungsentwicklung nicht nur, sich auf den Bauch zu drehen, nicht nur das Rollen, Kriechen, Sitzen, Stehen und Gehen, sondern er lernt auch das Lernen. Er lernt, sich selbständig mit etwas zu beschäftigen, an etwas Interesse zu finden, zu probieren, zu experimentieren. Er lernt, Schwierigkeiten zu überwinden. Er lernt die Freude und die Zufriedenheit kennen, die der Erfolg – das Resultat seiner geduldigen, selbständigen Ausdauer – für ihn bedeutet.“ (Emmi Pikier)

IM MITTELPUNKT STEHEN

Auch ein ständiges In-den-Mittelpunkt-Stellen des Kindes und seiner gerade eben erworbenen Fähigkeiten behindert nicht nur die autonome Entfaltung. Das Kind verliert desgleichen seine Natürlichkeit und beginnt, sich am Beifall der anderen zu orientieren. Das Kind entfernt sich zunehmend von seinen eigenen Impulsen und Bedürfnissen hin zu denen der anderen.

WIR VERÄNDERN DEN FOCUS

,,Wir hindern das Kind, wenn wir es ermuntern, anspornen, auffordern, gewisse Bewegungen vorzuführen. Wenn wir seine einzelnen ‚Leistungen‘ vor ihm übertrieben anerkennen. ( . .) Die Aufmerksamkeit des Kindes wird abgelenkt von den Versuchen, von dem Experimentieren mit Bewegungen und wird stattdessen darauf gerichtet, dass das, was es macht, Publikumswirkung hat. ( . .) Das Kind wird auf diese Weise nicht das üben, was seiner Entwicklung, seinem jeweiligen Zustand entspricht, nicht das, was es selbst erfreut, sondern das, wovon es annimmt, dass es dem Erwachsenen gefällt.“ (Emmi Pikier)

DAS KIND BESPIELEN

Durch diesen geringer werdenden Kontakt zu sich selbst wird in weiterer Folge auch das freie Spiel schwie­riger oder unmöglich, vor allem dann, wenn das Kind zusätzlich häufig „bespielt“, ,,amüsiert“ und/oder mit Spielzeug überhäuft wurde. Normalerweise spielt ein Kind, auch schon der Säug­ling, über lange Zeiten mit allen möglichen einfachen Gegenständen, die gerade um es sind und widmet ihnen seine volle Aufmerksamkeit. Ebenso vertieft es sich über Monate und Jahre immer wieder in seine eigenen Bewegungen und Bewegungsmöglichkeiten. Dieses zufriedene Mit-sich-im-Einklang-Stehen wird jedoch gestört, wenn dem Kind, ohne auf seine momentane Befindlichkeit und sein Tun zu achten, ständig neue Eindrücke aufgedrängt werden, wenn es immer wieder umringt ist von über ihn hinweg sprechenden, auf es einredenden, es in den Mittelpunkt stellenden Erwachsenen.

INNERE ABKEHR

„Höchst bezeichnend für einen solchen Säugling ist, dass er mit der Zeit immer quengeliger wird, an den Erwachsenen krankhaft klebt. Nur die Erwachsenen interessieren ihn, aber auch nur insofern sie um ihn herum sind, von ihm reden, sich mit ihm beschäftigen. All dies löst beim Kind aber keine gleichmäßige, harmonische, dauernde, ruhige Freude und Zufriedenheit aus, vielmehr Unruhe, aufregenden Genuss. ( . .) Unausweichlich werden diese Eltern des Kindes überdrüssig, schon darum, weil das Kind – infolge des Benehmens der Eltern – gelangweilt, grantig, anmaßend geworden ist. ( . .) Es verliert die Natürlichkeit, die unbewusste Anmut. “ (Emmi Pikier)

BEOBACHTEN WAS STIMMIG IST

Wenn es also darum geht, die Entfaltung und das Wohlbefinden des Kindes zu ermöglichen, so muss der Erwachsene auf das achten, was dem Kind wirklich entspricht, beobachtend, wann es in eine Tätigkeit vertieft ist und keine Unterhaltung braucht und welche Art des Miteinanders stimmig ist. Und in den Momenten des Kontaktes, etwa bei Pflegesituationen, beim Stillen oder Füttern, ist es wesentlich, dass die Bezugsperson mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit beim Kind ist, so dass ein authentischer Austausch entsteht. Dann kann sich das Kind, emotional „gesättigt“ und zufrieden, wieder seinem Spiel zuwenden.

ES BRAUCHT KEINE SHOW

,,Wir müssen das Kind nicht ‚immerfort unterhalten‘, ‚umtanzen‘, mit ,kindischem‘ Lispeln, mit schwärmerischem Entzücken überhäufen. Wir müssen unsere Kinder unsere Liebe fühlen lassen, indem wir sie gut versorgen. “ (Emmi Pikier)

KEINE BELEHRUNGEN

Diese wachsame Präsenz des Erwachsenen ist auch in der Kreativitätsentwicklung von Bedeutung. Das Kind verfügt über ein natürliches, angeborenes Potential, wie Arno Stern in seinen Forschungen erkannte, Prozesse, die bei allen Kindern in ähnlicher Weise geschehen.

Um dieser Beobachtung auf den Grund zu gehen, bereiste er verschiedenste Länder und Kulturkreise und stellte fest, dass überall gleiche Bildelemente zu sehen waren. Diese bei allen Kindern vorkommenden Komponenten nannte er Formulation.

Diese natürliche Entfaltung eines eigenen, differenzierten, mit der Selbstwirksamkeit des Kindes im Einklang stehenden Ausdrucks vollzieht sich aber nur dann, wenn es keine Belehrung gibt, kein Hineindrängen in Entwicklungsschritte, bei denen das Kind noch nicht angelangt ist.

Wenn das Kind seine ersten Kreise zu ziehen beginnt und später, wenn es seine inneren Welten auf Papier gestaltet, stehen das Bewundern und Staunen – und mehr noch das Verbessern, das Anleiten und Interpretieren (,,Du hast eine Sonne gemalt“ usw.) – seiner Kreativität im Wege.

Vielmehr geht es darum, als aufmerksamer Erwachsener dabei zu sein und dem Kind anzubieten (Papier, Stifte, Farben), was es für seine Gestaltungen braucht und auch, so wie es im Malort geschieht, darauf zu achten, dass die/der Malende „im Fluss“ bleiben kann, indem der Malortleiter herabrinnende Tropfen entfernt, die Reißnägel, mit denen das Papier befestigt ist, immer wieder versetzt, Farben nachfüllt, die Ordnung der Pinsel kontrolliert und die Klarheit der vorbereiteten Umgebung im Gesamten aufrechterhält.

So kann eine freie Spur entstehen, die fließt und in keinerlei Abhängigkeit von einem Betrachter hervorgebracht wird, denn das Wesentliche des Malortes liegt vor allem auch darin, dass die Kinder, aber auch malende Erwachsene, keinen Belehrungen und Kommentaren ausgesetzt sind. Andernfalls kann es zu Blockierungen, Verunsicherungen, zu einer Ausdrucksverarmung führen oder auch dazu, dass gar keine Kreativität mehr stattfindet.

,,Die reine Äußerung wird zu einem zweifelhaften Ergebnis verdorben. Das Kind erlebt nicht mehr ein Spiel, es spekuliert auf Erfolg. Was dabei verloren geht, ist unermesslich.“ (Arno Stern)

UNBEEINFLUSSTE SCHÖPFERISCHE PROZESSE

Erkennbar ist dies unter anderem daran, dass Kinder fragen: ,,Was soll ich malen? Ist das richtig so? Wie malt man dies oder jenes?“ Da beim Malen und Zeichen ähnliche innere Prozesse stattfinden wie beim Spielen, fragen Kinder normalerwei­se nicht danach, ob etwas richtig oder falsch sei, genauso wie sie im Rollenspiel nicht danach fragen würden, ob sie diese oder jene Figur „richtig“ gespielt haben. Wird die natürliche, unbeeinflusste Äußerung ermög­licht, dann stehen Können und Wollen im Einklang, der Zugang zum eigenen schöpferischen Prozess ist nicht un­terbrochen und das Kind kann das Malspiel erleben. Es breitet seine Welt mit den in ihm angelegten Requisiten auf dem Blatt aus – es gestaltet und entfaltet das Eigene.

,,Im Raum des Blattes entwachsen der Gebärde des Kindes Gebilde, die seine Geschöpfe sind. Das Kind ist mit jedem verbunden, so als seien sie lebendige Teile seines We­sens. Was sich im Raum des Blattes abspielt, geschieht in Wirklichkeit im Wesen des Kindes.“ (Arno Stern)

Das Malen als „Malspiel“ erleben zu können und sich frei von den Erwartungen anderer entwickeln zu dürfen bedeutet, sich selbst im eigenen Rhythmus aufzubauen. Es wird auf diese Weise ein innerer Schatz angelegt, der als lebendige Ressource erhalten und verfügbar bleibt.

Sowohl Emmi Pikler als auch Arno Stern haben in ihrer jahrelangen Begleitung von Kindern, wenn auch in unterschiedlichen Bereichen, etwas sehr Wesentliches erleben und erfahren können: Kinder brauchen uns Erwachsene nicht als jemanden, der ihre Entwicklung vorantreibt, sondern als Menschen, die darauf vertrauen, dass sie sich aus sich selbst heraus entfalten können.

Literaturhinweise:
Emmi Pikler: Friedliche Babys – zufriedene Mütter (Herder spektrum)
Emmi Pikier u. a.: Miteinander vertraut werden (Arbor Verlag)
Arno Stern: Das Malspiel und die natürliche Spur (Drachen Verlag)
Arno Stern: Der Malort (Daimon Verlag)

Videobeitrag:
Formulation und Spur, Arno Stern